Carsten Paul: Marathon in der Heimat

Ergebnis: 2:43:24 h
Gesamt 4. Platz.

Leipzig ist meine Heimat, der Leipzig Marathon mein Heimmarathon. Sicherlich, in Paris, London oder Hamburg ist viel los, vielleicht ist die Strecke dort auch schneller, aber dort kann ich nicht in der Heimat laufen.
Schon am Start viele bekannte Gesichter - am Rand und in der Startaufstellung. Man begrüßt sich, wünscht sich Glück, wird begrüsst, wird beglückwünscht.
Ich komme problemlos von hinten in die vorderen Reihen. Keiner meckert, keiner blockt ab. Dort stehen sie dann, die Freunde und Konkurrenten. Und dort steht auch der eine Jörg, der dann gewinnen wird und der andere Jörg, der heute als Hase für mich laufen will.
Der Start erfolgt pünktlich und wir laufen los. Ich neben Jörg, einige vor mir, einige neben mir und ganz viele hinter mir. Ich lasse mich fallen und verlasse mich auf Jörg. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. So drücke ich doch Kilometer für Kilometer, die Jörg wie ein Uhrwerk abspult, auf die Uhr. Jörg könnte um den Sieg mitlaufen, läuft heute aber lieber um meine neue Bestzeit mit.
Ich fühle mich gut, auch weil ich so gut aufgehoben bin.
Das Feld hat sich eingependelt. Wir sind mit Christoph, der sich uns angeschlossen hat, an 6., 7. und 8. Position. Wahnsinn, so weit vorne, Platz 6, mein ganz heimliches Maximalziel, ist möglich.
Nach 10 Kilometern sind wir zu viert. Pierre ist zurück gefallen und hat sich uns angeschlossen. Christoph und Pierre hatten mich beide beim Muldentaler Städtelauf geschlagen. Pierre deutlich, Christoph erst zum Schluss.
Ich hatte meine Startnummer nicht bekommen, mir wurde eine neue zugeteilt. Dementsprechend war mein Name nicht auf die Nummer gedruckt. So wusste ich zumindest, dass jeder der meinen Namen rief, mich kannte. Und mein Name wurde oft gerufen.
Schön ist es in der Heimat zu laufen.
Bei Kilometer 30 verabschiedete sich Jörg, Christoph war vorher schon zurück gefallen und ich war mit Pierre allein auf der Piste. Die Kilometer 31 und 32 überfahre ich täglich mit dem Fahrrad auf meinem Arbeitsweg. Ich lief von vorn, dann Abbiegen auf die Zwickauer Straße und das zweite Mal die Brücke hoch. Ich hatte Kraft und konnte Abstand gewinnen. Heiko machte mich auf den 4. aufmerksam, der ziemlich wackelte. Ich konnte ihn nun auf den langen Geraden sehen und hatte ein neues Ziel. Tino übernahm dann das Informationsmanagement und so wusste ich immer genau was los war, vor und hinter mir.
Dann hatte ich ihn. Ich war jetzt vierter. Vierter bei einem renommierten Marathon und das auch noch in der Heimat. Gut, Pierre würde mich noch holen. Aber Fünfter ist auch Wahnsinn.
Bei Kilometer 40 holt mich Pierre dann, ich gratuliere ihm und bin glücklich.
Aber er kommt nicht weg, ich bin noch nicht am Ende und bei Kilometer 41 laufe ich wieder auf den vierten Platz. Und jetzt kann mich nichts mehr aufhalten, keiner mehr schlagen, ich laufe nach Hause.
Dann der Lärm, die lange Zielgerade, Peter auf dem Fahrrad, völlig aus dem Häuschen, Roman, der mich auf 200 Meter am Stil erkennt. Als vierter im Ziel, nur Freunde vor mir und einen Freund direkt hinter mir.
Freude, Glück, Umarmungen.
Ich bin wieder mal in der Heimat angekommen.

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