Marathon-Mekka Leipzig, das heißt für mich 20 Jahre nach meinem ersten Marathon - damals der
Auensee-Marathon 1988 - stehe ich wieder mal am Start in meiner schönen Heimatstadt Leipzig.
Viel war im Vorfeld geschrieben worden. Die Presse war erstmals seit fünf Jahren mal wieder regional
eingestellt. Man beschäftigte sich mit der hiesigen Spitze und dem Duell Jens gegen Jörg. Deshalb war es
nicht ganz leicht die Spannung bis zum Marathon zu halten. Nun kam der normale Vorbereitungsstress unserer
Marathon-Messe noch dazu. Beim Aufbau am Freitag Abend versuchte ich beim Be- und Entladen ja nicht zu viel
zu stehen und nicht zu schwer zu tragen. Am Samstag zur Marathon-Messe kamen nun allerhand Freunde,
Läuferbekannte und liebe Kunden die mir für den Marathonsonntag alles Gute wünschten. Franci (meine liebe
Frau) hatte wie jedes Jahr Kuchen gebacken, den wir uns am Samstag Nachmittag noch schmecken ließen. Nun
werden Ernährungsexperten sagen Kuchen? Vor dem Marathon? Ein guter Freund sagte mal zu Kuchen “Da ist alles
drin, Eier, Butter, Milch, Zucker usw.” ...kann also so verkehrt nicht sein. Kartoffelauflauf gab es dann
zum Abendbrot!
Am Morgen vor dem Start fühlte ich mich sehr gut. Das Wetter kam mir entgegen (Ich kenne auch noch die
Temperaturen meines ersten KMU-Marathons von 1988: Bei 30 Grad im Ziel.) und ich beschloss Jens'
Anfangstempo von angekündigten 3:40 Minuten pro Kilometer mitzugehen, obwohl ich gerne ruhiger
angegangen wäre. Meine Konzentration lag vor allem auf meiner Wadenmuskulatur, die mir in letzter Zeit immer
wieder Probleme machte. Deshalb lief ich auch, wie Jens, mit Kompressionstrümpfen. (Kürzester Läuferwitz:
Treffen sich zwei gesunde Läufer)
In der erste Runde lief alles nach Plan, Jens lief wie ein Uhrwerk und ich hängte mich dahinter.
Es durfte auf keinen Fall schneller werden, da meine trainierten Umfänge sehr viel geringer waren, als die
meiner Mitstreiter. Einen kleinen Schreck bekam ich, als ich merkte, dass ich mich nicht eingecremt hatte.
Das wurde Dank der von meinem Bruder Frank gereichten Cremetube im Laufen bei Kilometer 17 nachgeholt -
was da wohl die Zuschauer gedacht haben?
Eingangs der zweiten Runde versuchte ich, mir einzubilden, am Start eines Halbmarathons zu sein, obwohl
meine Beine das nicht so fühlen wollten. War auch nur für den Kopf gedacht. An der Russischen Kirche merkte
ich, dass wir das Tempo etwas verschleppten und ich spannte mich erstmals vor Jens. Kurz vor dem Völki rief
mir mein Bruder Frank zu, dass der Drittplatzierte Steven auf uns aufläuft. Im Vorfeld hatte ich über seine
vielen Trainingskilometer gehört und hatte großen Respekt vor ihm. Trotzdem galt nur eins - Mitlaufen
und sein Tempo erst einmal annehmen. Jetzt war ich von zwei Läufern der noch sehr jungen aber
leistungsstarken LG eXa umrahmt und dachte an den Radsport - gibt es da wohl eine
Mannschaftstaktik? Jens bekam immer mal wieder leichte Anschlussprobleme und ich versuchte ihm zu
signalisieren, doch Anschluss zu halten. Es wäre viel zu früh, schon jetzt bei Kilometer 32 alleine zu
laufen.
Am Schleußiger Weg war ich dann mit Steven alleine. Steven, ein sehr ruhiger Zeitgenosse, den ich schon
mehrmals als Kunde im Laufladen kennen lernen durfte, wirkte sehr entspannt, seine Gesichtsmimik lies
Erschöpfung kaum erkennen.
Nun kam mein Trumpf, die Schnelligkeit. Diese ist zwar im Marathon relativ unbedeutend aber für den Kopf
doch sehr von Vorteil. Trotzdem wollte ich mich nicht auf einen kurzen Spurt einlassen. Ich wusste aus der
ersten Runde, bei Kilometer 39 steht Franci, also erhöhte ich das Tempo kurz vor diesem Punkt und kam
ein paar Meter weg. Als ich bei Franci und meiner Nachbarin Frau Dr. Paul vorbei lief, hatte ich ein
unbeschreibbares Gefühl.
Nun wollte ich das Ding endlich mal gewinnen. 1994 - 2. Platz, 1996 - 2. Platz und 1999
der 3. Platz war meine bisherige Ausbeute an vorderen Platzierungen, obwohl ich den sogenannten kleinen
Leipzig Marathon am Auensee vor fast genau 20 Jahren auch schon gewinnen durfte.
Ich genoss die letzten beiden Kilometer; mein Sohn Matti (B-Jugend Fußballer beim FC Sachsen) und mein
Bruder Frank feuerten mich nochmals an.
Einen schöneren Zieleinlauf, Dank Peter Schütze und Roman Knoblauch, habe ich, glaube ich, noch nie so
erleben dürfen. Viele Zuschauer und der Startpulk der über 2000 Halbmarathonis empfingen mich, Steven, Jens,
Carsten, Pierre und alle anderen mit viel Beifall. Besonders habe ich mich über Jörg Hoyer gefreut, der als
Siebenter mit starker Zeit endlich gezeigt hat, das er seinen Trainingsplan umsetzen kann.
Danke an alle Helfer für diese gelungene Veranstaltung.