Matthias Lappe - Und nächstes Jahr den Ganzen

Leipzig ist ein Läufer-Eldorado. In einer Großstadt zu wohnen und trotzdem 10 min vom Stadtzentrum ein Läuferareal vorzufinden, in dem man mehr als 20 km laufen kann, ohne eine Straße zu überqueren oder eine Strecke zweimal zu laufen. Wo gibt es das sonst noch?
Nach meinem Marathoneinstieg letztes Jahr in Leipzig als Zugläufer sollte es dieses Jahr einmal der Halbe sein.
Zusammen mit 2000 Läuferinnen und Läufern standen wir im Startbereich und durften noch den Zieleinlauf der drei ersten Marathonis erleben. Jörg vor Steven und Jens. Wer hätte das gedacht?
Dann Start. Mein Selbstvertrauen war groß, ich hatte mich in die zweite Startreihe gestellt, und mir nach diversen Vorabsprachen die Gruppe um Gregor und Katrin Bogen als Begleitung auserkoren. Der erste km war flott. Nachdem Gregor mich nach dem Tempo gefragt hatte, drosselte er ein wenig und auf einmal lief ich vor der Gruppe.
Etwas verunsichert habe ich mich dann auf dem zweiten Kilometer immer wieder umgeschaut.
Sollte ich in der Gruppe laufen und sicher aber unspektakulär ins Ziel kommen oder aber das Tempo von vorne gestalten und nach einer grandiosen ersten Hälfte vielleicht auf dem zweiten Teilstück einbrechen?
Negativsplit hin oder her, ich bin kein Langsamstarter also Augen auf und durch.
Auf den nächsten Kilometern bis zur Deutschen Bücherei konnte ich immer mal wieder zu ein paar "Schnellstartern" aufschließen und einen auch überreden, mein Tempo mitzugehen. Auf der Schleife vor der Deutschen Bücherei wollte er dann doch nicht mehr. Schade.
So wurde es die nächsten 5 Kilometer bis zum Bruno Plache Stadion ein einsamer Lauf; vorbei am Messe-M, dem Völkerschlachtdenkmal und immer mal mit heftigen Gegenwindattacken.
Laufen ist auch Kopfsache. Da ist es nicht schlecht, wenn man sich immer wieder sagt, dass der zweite Teil der Strecke fast nur noch bergab geht, und dass der Wind eher von hinten kommt und dass ich diesen Teil der Stadt sowieso sehr gut kenne und, und, und...
Bei so vielen guten Gründen kann dann eigentlich auch nichts mehr schief gehen.
Auf der Richard Lehmann Strasse rollt es fast von alleine.
In meiner Fankurve in die August Bebel Strasse schwebe ich und am Schleußiger Weg sorgen eine Menge Zuschauer für gute Stimmung. Da ist das Rennen schon für mich gelaufen. Tatsächlich kommen mir auf den letzten 5 km noch ein paar Läufer "entgegen"; also kann ich noch ein paar Plätze sammeln. Und meine Uhr gibt mir untrüglich zu verstehen, dass ich heute an diesem Tag einfach nicht langsamer laufen kann. Was für ein geiles Gefühl.
Auf der Jahnallee wird es noch einmal sehr hart. Der Wind bläst kräftig von vorne und treibt aber auch schon die Stimme von Roman Knoblauch bis zu Elsterbrücke. Das zieht das Tempo noch einmal hoch.
Das Zuschauerspalier wird dichter und meine Freundin läuft auf einmal neben mir, schreiend, jubelnd.
Einbiegen auf die Zielgerade. Ich höre meinen Namen wie in Trance, reiße meine Arme hoch.
Es ist geschafft. Was für ein Lauf, was für eine Zeit...
Ich warte noch 10 min im Zielgarten auf bekannte Gesichter und Freunde, die auch gleich ins Ziel kommen müssen, klatsche ab, freue mich mit anderen über ihre hervorragenden Zeiten.
Schön, dass das Massagezelt gleich in der Nähe des Ziels aufgebaut ist. So entfällt dieses Jahr der lange Weg zur Jahnallee.
Entspannen, die Augen schließen und die schönsten Augenblicke eines rundum gelungenen Laufes während einer rundum gelungenen Veranstaltung Revue passieren lassen.
Da fällt es nicht schwer, sich auch in diesem Moment auf den 33. in Leipzig zu freuen.
Dann aber wieder den Ganzen.

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