2:48:50 h
Der Leipziger Marathon sollte mit 43 Jahren mein Debüt auf dieser Strecke sein. Eigentlich bin ich sonst
zwischen 5 und 10km unterwegs, maximal ein Halbmarathon im Jahr steht im Programm. Lediglich 2004 habe ich
mal einen guten Freund in Dresden auf dem 42,2 km - Kanten begleitet. Angepasst an sein
Tempo, als "Trinkbecherbesorger" und "Zeitansager".
Für 2008 habe ich mich dann für meinen ersten Wettkampf auf der Marathonstrecke entschieden. Zehn Wochen
spezielle Vorbereitung und mehrere Testläufe standen im Programm. Die Probewettkämpfe über 10 bis 13 km
liefen hervorragend. Trotzdem hatte ich vor der Marathonstrecke weiter den allergrößten Respekt, und je
näher der 20.04.08 kam, um so mehr Zweifel an der Richtigkeit meines Vorhabens sollte ich bekommen.
Am 20.04.08 beim Frühstück war dies alles vergessen. Mein persönliches Ziel hatte ich mit einem Durchschnitt
von 4,0 Min./km festgelegt, also Endzeit 2:48 h und paar Sekunden. Das Tempo hatte ich extra im Stadion
trainiert, weil es für einen 5000 m - Läufer ungewohnt langsam war und ich nicht wie ein
blutiger Anfänger zu Beginn des Rennens mein Pulver verschießen wollte.
Nach dem Start setzten sich Jörg Matthe und Jens Gersonde relativ schnell vom Rest der Läufer ab. Mit Steven
Michel hatte ich einen Läufer gefunden, dessen Tempo mir einigermaßen sympathisch schien. Bis ca. km 10
liefen wir als Dritter und Vierter zusammen. Am km 10 hatte ich eine Zwischenzeit von unter 38 Minuten
und Steven Michel erhöhte das Tempo noch. Obwohl ich mich noch super fühlte, befiel mich doch langsam das
schlechte Gewissen. Das Tempo war ca. 12 Sekunden pro Kilometer zu schnell für meine Vorgabe, das
konnte eventuell nach hinten losgehen. Ich ließ abreißen und lief von hier allein.
Die Halbmarathonzeit von 1:18,51 h war trotzdem über 5 Minuten zu schnell für mein eigentliches
Ziel. Da meine körperliche Verfassung aber weiter hervorragend war und die Spitze auch nicht allzu weit weg,
korrigierte ich meine Zielzeit langsam in Richtung 2:40 h. Bei Kilometer 31 (1:56,31 h) hatte
ich bereits siebeneinhalb Minuten auf mein Zeitziel gutgemacht. Immer noch war ich recht frisch, keinerlei
nennenswerte Ermüdungserscheinungen. Die 2:40 waren jetzt realistisch, Platz 4 hatte ich nun eigentlich
schon fast als Minimalziel eingeplant.
Irgendwo bei km 37 kam ohne jegliche Vorwarnung innerhalb kürzester Zeit die Ernüchterung. Es ging
nichts mehr. Ich war jetzt der Läufer der im Bericht von Carsten Paul "wackelte". Die Kilometerzeiten
erreichten Werte welche ich der Stoppuhr eigentlich gar nicht glauben wollte. Der schlechteste Kilometer lag
leicht über 6 Minuten und das bei aller Anstrengung und Körperbeherrschung die ich mir bis dahin
vorstellen konnte. Mein siebenjähriger Sohn hätte mich ohne Gegenwehr locker überholt.
Ich wurde von anderen Läufern "kassiert", leider klappte auch das Zählen nicht mehr so richtig. Wie ich die
letzten Meter ins Ziel gekommen bin, weiß ich nur schemenhaft. Meine ursprüngliche Zielzeit hatte ich noch
erreicht, ich war überglücklich. Irgendwo zwischen Platz 6 und 10 vermutete ich und lag damit
einigermaßen richtig. Bei der Super-Massage kamen dann langsam die Sinne und Kräfte zurück.
Insgesamt eine super organisierte Veranstaltung. Dass ich beim "Ersten" Lehrgeld bezahlt habe,
sehe ich nicht allzu tragisch. Es hat Riesenspass gemacht und am 19.04.09 bin ich 100 %ig wieder mit
dabei.