Mein persönliches Lauftagebuch
[Intro]
Auf ein Neues! Meine Aufgabe für die nächsten Wochen heißt wohl wieder: Trainieren, trainieren, trainieren… Denn der Leipzig Marathon steht in gut 5 Monaten wieder vor der Tür und ich will unbedingt wieder dabei sein und meine doch eher miserable Leistung vom letzten Jahr verbessern. Jedoch sind schon wieder einige Wochen und Monate her, dass ich gelaufen bin. Irgendwie finde ich doch immer wieder eine neue Ausrede oder Gelegenheit mich abzulenken.
Doch dieses Jahr habe ich eine neue Motivation zusätzlich: das Lauftagebuch! So kann ich mich nicht einfach vor dem Laufen drücken. Das wird schon klappen! Mein Name ist Diana Biermann und ich bin 22 Jahre alt. Ich wohne nun schon seit 3 Jahren in Leipzig und studiere an der Universität Leipzig Lehramt für die Fächer Chemie und Latein. Eigentlich komme ich aus Thüringen, genauer gesagt aus Eisenach. Für Läufer wird wohl der Rennsteiglauf ein Begriff sein: auf und ab durch den Thüringer Wald.
Schon seit meiner Kindheit treibe ich regelmäßig Sport, jedoch habe ich das Laufen erst vor 2 Jahren entdeckt, nachdem mir mein Kommilitone Jakob das Laufen schmackhaft gemacht hat; auch wenn ich wohl seine Leistungen nie erreichen werde. Knapp 30 Minuten auf 10km sind wohl doch ein bisschen zu schnell und zu viel für mich. Und nachdem auch meine Eltern begeisterte Läufer wurden, konnte ich ja nicht anders… So entschloss ich mich, nachdem ich letztes Jahr neue Laufschuhe gekauft und den Flyer gelesen hatte, am Laufseminar teilzunehmen. Und ich war auch immer sehr zufrieden mit meinen Leistungen während des gemeinsamen Laufens am Donnerstag und unter der Woche. Jedoch zwang mich eine Gehirnerschütterung (durch einen Sturz beim Laufen) zu einer mehrwöchigen Pause und durch ein vierwöchiges Praktikum fand ich auch kaum Zeit, mich im Wald auszutoben. Und so war auch meine Leistung beim 33. Leipziger Marathon schlecht. Aber ich habe es geschafft: 21 km! Auch wenn ich fast die Letzte war und die letzten 5-6 Kilometer nur noch spazieren gegangen bin, weil meine Beine einfach nicht mehr mitmachen wollten, so habe ich es doch noch ins Ziel geschafft! Deswegen ist meine Motivation dieses Jahr umso größer.
Also, heute Abend geht es nun endlich los: noch 21 Wochen...
Woche 1
[Donnerstag, 03.12.2009]
Ich fühle mich schon wieder ganz schlecht, weil ich diese Woche noch nicht gelaufen bin und ich schon in der ersten Woche einen Trainingsrückstand habe. Aber Geburtstage feiern waren nun mal die bessere Alternative zum Laufen. Zumal man schön mit Freunden im Warmen sitzt und gemütlich kocht. Doch heute Abend wird der innere Schweinehund überwunden. Jetzt sind es nur noch 3 Stunden und dann treffen sich wieder alle Laufbegeisterten. Ich bin schon sehr gespannt, ob ich alte Gesichter vom letzten Jahr wieder sehe und wie überhaupt die neue Anlage sich unter den Füßen anfühlt. Ein ein oder anderes Mal ist man ja schon einmal an der blauen Bahn vorbeigelaufen, aber dass ich nun heute Abend auch mal die Bahn testen darf und das als Nicht-Sportstudent. Was für eine Ehre ☺
…
Super, ich fühle mich richtig gut. Trotz Trainingsrückstand habe ich die 6km gemeistert und auf dem letzten Kilometer noch einen Endspurt hingelegt. Aber erst einmal von Anfang an:
18.20 Uhr schwang ich mich zu Hause aufs Fahrrad und bin voller Motivation gen Sportforum geradelt. Ich war schon richtig aufgeregt. Das machte sich auch an meinem Fahrstil bemerkbar, denn nach knapp 12 Minuten hatte ich das Ziel schon erreicht. Aber die Beleuchtung der Anlage war schon angeschaltet und ein paar Läufer hatten auch schon den Weg gefunden und waren dabei, sich warm zu laufen. Ich hingegen wollte es nicht übertreiben zu Beginn, schließlich hatte ich ja Angst, heute zu versagen. So bin ich erst einmal über die blaue Bahn spazieren gegangen. Mit der Zeit kamen immer mehr Läufer und Läuferinnen. Das Testfeld füllte sich immer mehr und die Läufer, die sich warm laufen wollten, konnten kaum mehr die Bahn nutzen, da so die Wege blockierten. Kurz nach 19Uhr ging es dann los. Wie letztes Jahr begrüßte uns Peter wieder und teilte die Gruppen ein. Da fiel mir ein, dass ich mir noch gar keine Gedanken gemacht hatte, welcher Geschwindigkeitsgruppe ich mich anschließen möchte. Ich schwankte noch zwischen 6:00 und 6:30. Doch die Zeiten, als ich 6:00 lief, sind schon etwas länger her und so ging ich zu Katharina, die ich noch vom letzten Jahr kannte und die die 6:30 mit uns bestritt. Leider war es uns diesen Donnerstag noch nicht vergönnt, die blaue Bahn zu testen. Aber hiermit erheben wir den Anspruch, denn auch die Geschwindigkeitsgruppe 6:30 trainiert hart! Wir liefen runter zum Elsterufer, dass ich noch allzu gut kannte. Ich merkte schnell, dass die Entscheidung für die 6:30 genau richtig war. Startpunkt der 6km, die auf dem Trainingsplan standen, war bei den 3 Bänken. Uns los ging’s!
Die ersten Kilometer lief alles super, mir ging es richtig gut, ich fand mein Tempo und den richtigen Schritt. Das Wetter spielte mit und ich war glücklich, endlich wieder richtig zu trainieren. Auch viele andere Läufer hatten sich zu dieser Laufstrecke verirrt, sodass guter Betrieb herrschte. Und ich sah auch bekannte Gesichter wieder.
Kilometer 5 gingen wir mit 6:37 etwas langsam an, sodass wir entschlossen, auf dem letzten Kilometer noch einmal Gas zu geben. Es hatte sich gelohnt: 6:17! Und ich fühlte mich richtig gut. Vollkommen glücklich liefen wir wieder zurück zum Testfeld und ich kann sagen, ich hätte die gleiche Strecke ein zweites Mal laufen können. Doch der Nachhauseweg war anstrengend: vom Laufen aufs Fahrrad umzusteigen, gestaltete sich an diesem Abend etwas schwieriger als gedacht. Erst recht die lange Strecke an der Pferderennbahn, die ich mit Gegenwind bezwingen musste. Als ich schließlich meine Wohnung schon sehen konnte und mich am Ziel wähnte, wäre ich fast noch von einem netten Pizzafahrer umgefahren worden. Das war ein Tag! Nun hatte ich mir das Abendessen am Bayrischen Bahnhof wirklich verdient. Ich freu mich auf nächsten Donnerstag.
[Sonntag, 06.12.2009]
Wie man in allen Medien hören kann, ist die Weihnachtszeit die Zeit der Ruhe und Besinnung und gerade die Adventssonntage sind zur Entspannung gedacht. Dieser Leitidee gab ich mich auch am Sonntag hin und verbrachte den Tag gemütlich auf der Couch. Doch wer jetzt denkt, ich habe mich nicht sportlich betätigt, nichts da! Ich habe visuell Sport getrieben bzw. verfolgt: durch das Anschauen von Handballspielen. Und weil ich mich die letzten Minuten so aufregen musste, wollte ich meinem Herzen nicht noch ein ausgedehntes Trainingsprogramm zumuten. Das war auch bestimmt der Grund, dass ich kein Nikolausgeschenk bekam!
Woche 2
[Montag, 07.12.2009]
Dafür hatte ich mir ja fest vorgenommen, den Trainingslauf von Sonntag auf Montag zu verschieben. Und das glückte auch. Nach der Uni führte ich noch meine WG-Pflichten durch und konnte sogar meine Mitbewohnerin motivieren, mit mir zu laufen. Ich verriet ihr allerdings nicht, dass heute 8 km auf dem Programm standen.
Wir gingen also erst einmal gemütlich zum Schleußiger Weg spazieren und dort offenbarte ich ihr ihre missliche Lage. Aber sie reagierte, zu meinem Glück, gelassen. Von dort liefen wir das Elsterufer hoch Richtung Sportforum. Der erste Teil der Strecke war pfützenreich und wir mussten uns den Weg durch das Dunkle erahnen. Obwohl ich mir sicher war, dass letztes Jahr da noch Laternen waren. Dafür hatten wir eine herrliche Duftatmosphäre: Pferdemist von der Pferderennbahn, der frisch umgewälzt wurde. Wir liefen also schnell weiter und ab der Pferderennbahn wurde uns der Weg beleuchtet. Es ging weiter am Elsterufer lang, über die Käthe-Kollwitz-Straße bis zum Sportforum. Der Weg war zum Glück nicht mehr schlammig und es lief sich gut. Auch Tina machte es Spaß und wir zogen uns gegenseitig mit. Auf unserer „Laufseminartrainingsbahn“ liefen wir 4 km. Es kamen uns viele Läufer entgegen, die immer nett grüßten. Und das Wetter war spitze: nicht zu kühl und nicht zu warm und vor allem trocken. Danach liefen wir wieder Richtung Heimat und bogen allerdings an der Pferderennbahn links ab (Pferderennbahnweg), damit wir nicht wieder im Dunkeln landeten. Langsam begannen meine Knie zu schmerzen, doch ich blieb am Ball und wir liefen über die Karl-Tauchnitz-Straße wieder zurück in die Südvorstadt.
Tina und ich waren gleichermaßen stolz, dass wir die 8 km geschafft hatten und ich nicht wegen meiner Schmerzen aufgehört hatte. Das langsame Tempo, was im Trainingsplan mit einer „1“ gekennzeichnet ist, nahmen wir vielleicht etwas zu wörtlich und bestritten die Strecken in unglaublichen 80 Minuten. Aber dafür hatten wir Spaß und ich konnte Tina motivieren, auch mal wieder die Laufschuhe anzuziehen.
Der einzige Wermutstropfen ist, dass ich Blasen an den Fußinnenseiten bekommen habe. Muss ich wohl am Samstag, wenn meine Eltern kommen, mal wieder in den Laufladen. Vielleicht springt ja noch ein neues Paar Laufschuhe als Weihnachtsgeschenk ab!
[Dienstag, 08.12.2009]
Heute muss das Lauftraining leider ausfallen, da ich mich mit einer Lebensmittelallergie herumplage und ich zudem bis 18.45 Uhr an der Uni bin. Da fiel es mir schwer, überhaupt aus dem Bett zu kommen.
[Donnerstag, 10.12.2009]
Als ich morgens aus dem Fenster schaute und zur Uni musste, habe ich schon wieder schlechte Laune bekommen, aber ich hoffte, dass sich das Regenwetter bis abends wieder legen würde. Als ich dann nachmittags aus der Uni kam, ahnte ich jedoch Schlimmes.
Nun ja, gegen 18 Uhr schüttete es wie aus Eimern und ich überlegte, wie viele wohl heute überhaupt zum Lauftreff kommen würden. Ein kurzer Blick auf die Homepage des Leipzig Marathons motivierte mich jedoch so sehr, dass ich voller Elan zum Sportforum radelte. Denn heute endlich erblickte ich mein Lauftagebuch im Internet und war erstaunt, dass drei weitere Läufer sich dafür bereit erklärt hatten.
Ich kam gegen 18.50 Uhr an und stellte fest, dass es wirklich wenige waren, die sich aufraffen konnten. Aber ich dachte mir: bei schönem Wetter kann ja jeder laufen. Was die wohl machen, wenn es wie letztes Jahr wieder -10° ist und der Schnee bis zu den Knien liegt! Ich schloss mich wieder Katharina an und fand wie letzte Woche schnell in den Lauf. Den ersten Kilometer liefen wir mit 6:17 zwar etwas „zu schnell“, doch ich fühlte mich super. Die nächsten Kilometer hatten Gritt und ich uns wieder zusammen getan und führten das Feld an ;) die 6:30 waren uns an dem Tag zu langsam, schließlich hatte Frank gesagt, dass man sich donnerstags so richtig auspowern soll. Doch das war uns nicht genug, auf dem letzten Kilometer gaben wir noch einmal richtig Gas und wir trauten unseren Augen kaum: Gritts Uhr zeigte 5:48 an. Man, wir waren vielleicht stolz auf uns. Meine Erkenntnis für dieses Mal: ich brauche auch endlich eine Pulsuhr. Zum Glück kommen meine Eltern am Samstag, vielleicht springt eine ab ;)
Glücklich schwang ich mich aufs Rad und fuhr nach Hause. Dieses Mal verschonte mich der Pizzafahrer, der mir eine Kreuzung eher begegnete. Als ich dann zu Hause war, vervollständigte ich meinen Wunschzettel an den Weihnachtsmann.
Woche 12
[Donnerstag, 18.02.2010]
Endlich kann ich auch wieder etwas berichten. Mein Training hat wieder begonnen, nachdem ich nun 6 Wochen krank war und ich das gesamte neue Jahr noch nicht einmal gelaufen bin. Aber heute wurde ich von meinem Freund gezwungen, endlich wieder loszulegen. Schrecklich diese Sportler!
Nun ja, aber ich war ja froh. Jedoch traute ich mir noch nicht zu, zusammen mit den Läufern aus meiner Gruppe wieder wie gewohnt zu laufen und so lief ich einsam meine Kreise im Clara-Park. Aber so schlecht war es gar nicht, ich hatte keine Probleme und konnte locker mein Tempo halten. Ich lief, wie es der Trainingsplan vorschrieb, meine 8 km und war recht zufrieden mit mir. Die Wege waren zwar meist noch schlecht begehbar und ich musste mich mehrmals gut ausbalancieren, dass ich nicht hinfalle, aber ich war wieder mit Spaß an der Sache dabei.
Zu Hause angekommen, kämpfte ich mich in die 4. Etage. Nachdem ich meine Schuhe ausgezogen hatte, musste ich feststellen, dass ich wieder große Blasen an altbekannten Stellen hatte. Oh man…. Ich holte schon einmal mein restliches Weihnachtsgeld aus dem Tresor ☺ und bereitete mich seelisch auf neue Schuhe vor…
[Freitag, 19.02.2010]
Einmal Blut geleckt, war ich voller Tatendrang und beschloss heute Abend wieder laufen zu gehen. Doch vorher begab ich mich zum Laufladen, eigentlich nur um mein neues (dieses Mal schwarzes und um eine Größe kleineres, aber irgendwie trotzdem größeres) T-Shirt abzuholen. Und nachdem ich dann meine Probleme mit den Blasen geschildert hatte, war ich auch mein Weihnachtsgeld los, aber um neue Laufschuhe reicher.
Abends lief ich dann wieder meine altbewährte Strecke an der Pferderennbahn und am Elsterufer entlang und beschloss dieses Mal nach Schleußig abzubiegen. Doch irgendwie verpasste ich eine Wegbiegung und so kam ich auf der Könneritzstraße raus. Aus meinen Kopfhörern dröhnte der Stadtaffe, bei dem alles bunt und laut ist und es blinkt. Wie passend! Nach einem kleinen Spaziergang durchs Viertel fand ich dann aber wieder Wege zum Laufen. Das nächste Mal wohl keine Experimente mit dem Smog vom Schleußiger Weg.